Zählen oder nicht zählen?

„Zählt eure Gottesdienstbesucher“, lautete unsere Empfehlung nach einem unserer Beratungswochenenden in einer Gemeinde. Warum das wichtig ist, hat mehrere Gründe. Doch nicht immer fühlen sich Gemeinden mit dieser Empfehlung wohl. Wie auch in diesem Fall. Die Gemeindeleitung setzte unseren Vorschlag zwar um, doch schnell kam Kritik von den Gemeindemitgliedern. Schließlich ist in 1.Chronik 21, 1-16 nachzulesen, dass David von Gott bestraft wurde, weil er sich von Satan hat hinreißen lassen, seine Truppen zu zählen. Zählen wird also als menschlich verurteilt. Kurz gesagt: Das Zählen alleine kann nicht das Verschulden gewesen sein. Denn es gibt hunderte von Bibelstellen, in denen Gott zum Zählen von Witwen, Erstgeborenen und vielen anderen sogar auffordert! Die Sünde Davids hat also tiefere Wurzeln – das ist aber eine andere Geschichte.

 

Was gibt uns eine grundsätzliche Motivation,  die Menschen zu zählen, die unsere  Gemeindeveranstaltungen besuchen?

 

1)    Wir zählen Menschen, weil jeder Mensch zählt

Jeder Mensch ist von Gott geschaffen und für jeden einzelnen ist Jesus gestorben. Jeder Mensch, mit dem wir in Kontakt kommen, zählt.

Es wird positiv betrachtet, wenn in Gemeinden die Spenden und die Kollekten gezählt werden. Man weiß, dass man mit dem Geld nur gut haushalten kann, wenn man die Einnahmen und die Ausgaben zählt und beachtet. Was man nicht zählt, kann man auch nicht treu als Haushalter verwalten.

Menschen haben ungleich viel mehr Bedeutung als Geld und deshalb sollten wir auch das zählen, was eine unendlich größere Bedeutung hat.

 

2)    Wir zählen Menschen, weil die Bibel Menschen zählt

Die Bibel kann man nicht lesen, ohne immer wieder auf Aufzählungen von Menschen, Familien und Gruppen zu stoßen – über die man schnell hinwegliest, weil sie einem unwichtig erscheinen. In der Bibel werden Menschen durchweg gezählt, weil sie Bedeutung haben.

 

Beginnen wir stellvertretend mit einem Ereignis, bei dem Mose und der Priester Eleasar vor dem Einzug nach Kanaan alle Israeliten zählten. Sie verglichen die jetzige Musterung mit der Volkszählung die nach dem Auszug aus Ägypten stattgefunden hatte:

 

„Mose und der Priester Eleasar zählten die Israeliten in der moabitischen Ebene östlich des Jordan gegenüber von Jericho. Dabei stellte sich heraus, dass niemand mehr lebte, der bei der ersten Volkszählung aufgeschrieben worden war. Alle Männer, die Mose und der Priester Aaron damals in der Wüste Sinai gemustert hatten, waren inzwischen gestorben, wie der Herr es ihnen angekündigt hatte. Nur Kaleb, der Sohn Jefunnes, und Josua, der Sohn Nuns, lebten noch.“

4. Mose 26:54, 63-65 HFA

 

Das Zählen von Menschen hat mit dem Kommen Jesu und dem Kommen des Heiligen Geistes nicht aufgehört.

–      120 Jünger waren zusammen, als sie einen Ersatz für den 12. Apostel suchten (Apg 1,15).

–      Am Pfingsttag haben sich 3000 Menschen für ein Leben mit Jesus entschieden (Apg 2,41).

–      Die Jünger erfassten, dass jeden Tag Menschen zum Glauben kamen (Apg 2,47).

–      Schließlich zählten sie allein 5000 Männer, ohne Frauen und Kinder (Apg 4,4).

 

Im weiteren Verlauf des Neuen Testaments sehen wir, dass die junge Gemeinde einen Überblick hatte, welche Personen zugehörig waren. In 1. Timotheus 5,9 ist von Witwen die Rede, die über 60 Jahre alt sind und die in das Gemeindeverzeichnis eingetragen sind.

 

3)    Wir zählen Menschen, weil Gott beauftragt, Menschen zu zählen

Das Thema „Zählen“ bekommt eine ganz neue Dimension, wenn man feststellt, wie häufig der Auftrag die Menschen zu zählen direkt von Gott ausging. Es war nicht die Idee eines Menschen, die Gott dann duldete, sondern die Idee und der Auftrag gingen direkt von Gott aus und die Leiter übernahmen dann die Verantwortung für die Umsetzung.

 

„Und der Herr redete zu Mose in der Wüste Sinai in der Stiftshütte am ersten Tag des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach ihrem Auszug aus dem Land Ägypten, und er sprach: Ermittelt die Summe der ganzen Gemeinde der Kinder Israels, nach ihren Geschlechtern und ihren Vaterhäusern, unter Aufzählung der Namen; alles, was männlich ist, Kopf für Kopf,“ 3.Mose 1:1-2

 

„Und der Herr sprach zu Mose: Mustere alle männlichen Erstgeborenen der Kinder Israels, von einem Monat an und darüber, und zähle ihre Namen!“ 3.Mose 3:40

 

Beachte die Reihenfolge der Handlung: Gott gibt den Auftrag, die Leiter übernehmen die Verantwortung. Sie zählen das ganze Volk, die Familien, die Erstgeborenen ab einem Monat, die 30-50jährigen, die Diensttauglichen. Häufig sollten die Menschen nicht nur zahlenmäßig, sondern mit Namen erfasst werden.

 

Neben diesen beiden Beispielen gibt es viele weitere Ereignisse, die das Mandat zum Zählen wiedergeben: 4. Mose 4:1-4; 4. Mose 4:21-23;          4. Mose 26:54

 

4)    Wir zählen Menschen, weil Jesus Menschen zählt

Eine weitere Motivation Menschen zu zählen, gibt uns Jesus Christus selbst. Er macht deutlich, dass für ihn jeder Mensch zählt. Jesus ruft seine Schafe bei ihrem Namen (Joh 10,3-4).

Jesus kennt die Zahl derer, die das größte Potential für die Fortsetzung seiner weltweiten Bewegung hat – er kennt seine 12 Jünger und er kennt den erweiterten Kreis der 70 Jünger.

Jesus kennt auch die Menschen, die sich in ihrer Bedürftigkeit an ihn wenden oder die ihm ins Auge gefallen sind:

–      Ihm war bewusst, dass 5000 hungrige Männer mit ihren Frauen und Kindern von ihm versorgt wurden.

–      Ihm fallen bi den drei Dienern die zwei treuen Diener auf (Mt 25,14-30).

–      Er zählte die 10 Münzen und wusste, dass eine der Münzen verloren war (Lk 15)

–      Er zählte die 100 Schafe und wusste dass ein Schaf verloren war. Es geht nicht nur um Zahlen, aber der Hirte musste die 99 zählen um zu wissen, dass ein Schaf fehlt. 

 

Zurück zur Anfangsgeschichte. Wegen der Kritik am Zählen hatte die Leitung der Gemeinde aufgehört die Besucher ihrer Veranstaltungen zu zählen. Es war ein Ergebnis unseres Beratungstreffens, dass wir die Bedenken ausräumen konnten und die Gemeinde konnte sich auf den Weg machen, eine Kultur des Zählens zu entwickeln.

 

Es gibt ein biblisches Mandat, Menschen zu zählen. Zählen ist für die Leitung einer Gemeinde keine Option, sondern ein Auftrag. Die nächste spannende Frage ist, welche positiven Auswirkungen das Zählen haben kann – und gleichzeitig welchen Nachteil es hat, Menschen nicht zu zählen, Das wird das Thema im nächsten Artikel.

Peter Riedl

 

Folgeartikel:

–      Zählen: Welchen Unterschied macht es?

 

–      Zählen: Was genau sollten wir zählen?

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